18.08.2020

Der gelbe Schein hat ausgedient

Die digitale Krankschreibung kommt

Die gelbe Krankschreibung des Arztes auf Papier ist bald Geschichte. In zwei Stufen wird die digitale Krankschreibung umgesetzt. Ob das Verfahren dadurch allerdings einfacher wird, ist noch fraglich. Wir informieren Sie über die künftigen Melde- und Informationspflichten.

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Bisheriger Ablauf der Krankmeldung

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands als Interessenvertretung der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen werden jährlich ca. 77 Mio. Arbeitsunfähigkeiten festgestellt. Bislang werden die Bescheinigungen in vierfacher Ausführung ausgestellt - für den Arzt, den Versicherten, die Krankenkasse und den Arbeitgeber. Die Arbeitgeber erhalten die Krankmeldung vom Mitarbeiter spätestens am dritten Tag der Krankheit – je nach Vereinbarung auch schon am ersten Tag – in Papierform. Anschließend muss die Personalabteilung die Daten manuell erfassen.


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Übergangszeit und künftiger Ablauf

Dieses aufwändige Verfahren soll künftig digital erfolgen. Ab dem 1. Oktober 2021 müssen Vertragsärzte die Arbeitsunfähigkeitsdaten (AU) direkt elektronisch an die zuständige Krankenkasse versenden. Geplant war ursprünglich bereits der 1. Januar 2021, doch die Frist wurde aufgrund fehlender flächendeckender Technik verlängert. Die Informationspflicht liegt künftig also beim Arzt und der Mitarbeiter braucht den Papierdurchschlag nicht mehr selbst an seine Kasse schicken.

Der Arzt benötigt für den elektronischen Versand der Krankmeldung eine Telematikinfrastruktur (TI), ansonsten kann er künftig keine Krankmeldungen mehr ausstellen!

Übergangsweise bis zum 30. Juni 2022 müssen die Ärzte allerdings sowohl die Papierbescheinigung für den Versicherten und den Arbeitgeber ausstellen als auch die elektronische Datenübermittlung an die Krankenkasse vornehmen. In dieser Übergangszeit muss der Versicherte den Durchschlag wie bisher selbst an seinen Arbeitgeber weiterreichen.

Ab dem 1. Juli 2022 sollen auch Arbeitgeber die Daten der Arbeitsunfähigkeit elektronisch von der Krankenkasse erhalten. Über die Arbeitsunfähigkeit muss der Arbeitgeber allerdings weiterhin vom Arbeitnehmer unterrichtet werden. Die Daten der Arbeitsunfähigkeitsmeldung erhält der Arbeitgeber aber dann elektronisch über die Krankenversicherung, die die Daten wiederum über den Arzt erhält. Die Krankenversicherung muss ab Juli 2022 die AU-Daten für den Arbeitgeber elektronisch zum Abruf bereitstellen.

Geänderte Meldewege

Sobald der Arbeitgeber darüber informiert wird, dass ein Arzt dem Mitarbeiter die Arbeitsunfähigkeit bescheinigt, darf er die AU-Daten über das Entgeltabrechnungsprogramm bei der Krankenkasse abrufen. Er muss künftig selbst aktiv werden und die AU-Daten bei der Krankenversicherung abrufen.

Sonderfälle beachten

Schwierigkeiten bei der elektronischen Übermittlung sehen Experten vor allem dann, wenn technische Übermittlungsprobleme auftreten oder gerade ein Krankenkassenwechsel erfolgt ist. Zudem gelten diese neuen Meldewege nur für gesetzlich Krankenversicherte, nicht für privat krankenversicherte Arbeitnehmer.

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