19.04.2017

Ist Absicherung fürs Alter noch möglich?

Die Zukunft der bAV zwischen Reform und Digitalisierung

Eines ist sicher: Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) hat schon bessere Zeiten gesehen. Auf die Betriebsrenten der Großeltern können jüngere Arbeitnehmer heute nur noch neidische Blicke werfen. Die Leistungen, die sie selbst einmal im Alter empfangen werden, bleiben häufig intransparent und können nicht jeden überzeugen. Entsprechend komplex sieht die Situation auch aus Sicht der Arbeitgeber aus: Unternehmen fragen sich, welche bAV-Modelle noch attraktiv wirken und die Mitarbeiterbindung fördern. Gleichzeitig sorgen sich Arbeitgeber um den administrativen Aufwand und um Haftungsfragen. Daher stellen wir die Frage: Quo vadis bAV?

Führt der zukünftige Weg der betrieblichen Altersvorsorge eher auf eine Schnellstraße oder in eine Sackgasse? Fest steht, dass sie auf ihrer Reise von zwei Weggefährten begleitet wird: dem Betriebsrentenstärkungsgesetz (der sogenannten „Nahles-Rente“) und der Digitalisierung. Welche zukünftigen Entwicklungen sind zu erwarten?

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bAV: die zweite Säule der Altersvorsorge

Die bAV hat eine wichtige Bedeutung in der zweiten Säule der Altersvorsorge in Deutschland. Die erste Säule stellt die gesetzliche Altersvorsorge dar und die dritte Säule bildet die private Vorsorge. Das Prinzip der betrieblichen Altersvorsorge sieht vor, dass der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer die spätere Auszahlung von bestimmten Versorgungsleistungen zusichert. Dabei stehen fünf Durchführungswege zur Auswahl:

  • Direktzusage
  • Unterstützungskasse
  • Pensionskasse
  • Direktversicherung
  • Pensionsfonds

Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer (der in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist) das Recht, eine bAV in Anspruch zu nehmen, wenn er einen Teil seines Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge umwandelt. In diesem Fall spricht man von Entgeltumwandlung. Der Arbeitgeber zieht dann den vereinbarten Betrag vom Bruttogehalt ab, was den Mitarbeiter auch steuerlich entlastet. Außerdem kann sich für den Arbeitgeber die Höhe der Sozialversicherungsbeiträge verringern.

Manche Unternehmen bieten zudem an, Zuschüsse zu den Beträgen aus der Entgeltumwandlung zu leisten. Dies ist allerdings eine freiwillige Leistung, die in der Praxis hauptsächlich von größeren Unternehmen angeboten wird. Die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge in kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) betrachtet die Politik als wenig zufriedenstellend. Zukünftig soll das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz der bAV-Stagnation entgegenwirken. Während über den Gesetzesentwurf heftig gestritten wird, sehen Experten vielmehr in der Digitalisierung einen Hebel, um die bAV wieder populärer zu machen.

Eckpunkte des Betriebsrentenstärkungsgesetzes

Letztes Jahr gab es vielfältige Diskussionen zum neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz (von Kritikern und Medien umgangssprachlich auch als „Nahles-Rente“ bezeichnet). Inzwischen liegt ein Gesetzesentwurf vor, der nach Einschätzung von Experten Mitte diesen Jahres beschlossen werden und Anfang 2018 in Kraft treten kann. Ein wesentliches Ziel der bAV-Reform ist es, die betriebliche Altersvorsorge auch in kleinen und mittelständischen Unternehmen als attraktives Modell zu installieren.

Diesen Effekt versuchen die Gesetzgeber mit folgenden Mitteln zu erzielen:

  • Der Fokus liegt auf dem Sozialpartnermodell, nach dem die Ausgestaltung der bAV-Konditionen künftig in Tarifverträgen geregelt werden soll.
  • Der Arbeitgeber muss eine reine Beitragszusage erbringen, also den vereinbarten Betrag einzahlen. Daraus ergibt sich jedoch nicht die Garantie einer bestimmten Leistung.
  • Dementsprechend unterliegen die Versorgungseinrichtungen einem Garantieverbot, nach dem sie ihrerseits keine Leistungen garantieren dürfen.
  • Durch ein neues Optionsmodell soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass der Arbeitgeber eine automatische Entgeltumwandlung durchführt. Der Arbeitnehmer muss widersprechen, wenn er aus dem Modell aussteigen möchte.
  • Die bAV soll auch für Geringverdiener durch Förderbeträge attraktiv gestaltet sein. Die Förderung zielt vor allem auf Arbeitnehmer, deren monatliches Bruttoeinkommen 2.000 € nicht übersteigt.
  • Die Riester-Rente erfährt eine Erhöhung der Grundzulage von 154 € auf 165 € im Jahr.
  • Auf die Grundsicherung im Alter sollen die Auszahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge bis zu einer Höhe von 202 € anrechnungsfrei bleiben.

 

Stimmen zum Betriebsrentenstärkungsgesetz: von „Sternstunde“ bis „Pokerrente“

Erwartungsgemäß stößt der Gesetzesvorschlag in den verschiedenen Parteien im Bundestag auf unterschiedliche Resonanz. Es überrascht kaum, dass die Koalition den eigenen Gesetzesentwurf positiv bewertet: Peter Weiß von der Unionsfraktion sprich von einer „Sternstunde“ der Altersvorsorge. Währenddessen hagelt es Kritik von der Partei Die Linke: Matthias W. Birkwald bezeichnet die neue bAV als „Pokerrente“.

Häufiger Aufhänger der Diskussionen: Attraktivität der bAV

Jenseits der zu erwartenden Seitenhiebe zwischen den Bundestags-Parteien fragt sich natürlich, was das Betriebsrentenstärkungsgesetz zukünftig bringen wird. Kann das Gesetz, wie es im derzeitigen Entwurf ausgestaltet ist, seinen eigenen Anspruch erfüllen, die bAV in kleinen und mittelständischen Unternehmen zu verbreiten?

Ein Punkt, auf den sich Kritiker wie Befürworter immer wieder stürzen, ist das Garantieverbot. Peter Schwark, Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist der Ansicht, dass das Garantieverbot die bAV „eher schwächen als stärken“ wird. Wie lässt sich das erklären? Mit Sicherheit spielt die Attraktivität der bAV eine entscheidende Rolle in ihrem angestrebten Siegeszug im KMU. Denn aus Sicht der Arbeitnehmer ist ein größeres Vertrauen in eine garantierte Leistung nur allzu verständlich. Daher drängt sich die Frage auf, ob sich Arbeitnehmer von einer reinen Beitragszusage so gut überzeugen lassen wie von einer Garantieleistung.

Andere Experten aus der Finanzbranche sehen hingegen praktische Hindernisse für garantierte Rentenzahlungen. Denn mit ihnen sei es „nicht möglich, angemessene Volumina für die Altersvorsorge aufzubauen“, vermutet Michael Hennig, Leiter der Investment- und Pensionslösungen von Fidelity International.

Weitere praxisbezogene Überlegungen betreffen die Fokussierung des Gesetzesentwurfs auf Tarifverträge. Denn insbesondere kleinständische und mittelständische Unternehmen sind häufig gerade nicht tarifvertraglich gebunden.

Jenseits der Reform: Attraktivität durch Digitalisierung?

Da die Erwartungen zur bAV-Entwicklung durch das neue Gesetz unterschiedlich ausfallen, bleibt abzuwarten, ob sich die bAV künftig der anvisierten Beliebtheit erfreuen wird oder nicht. Einen ganz anderen Hebel für die Attraktivität der bAV sehen Experten weniger in der Gesetzgebung als in der Digitalisierung.

Als Verbraucher ist man es inzwischen gewöhnt, seine Einkäufe auf dem Smartphone zu erledigen, seine Finanzen in einer Banking-App zu verwalten und seine Steuererklärung online zu erstellen. Dieser Entwicklung sollte sich nach Meinung von Experten auch die bAV anpassen. Es ist sehr gut nachvollziehbar, dass insbesondere der jüngeren Generation der Arbeitnehmer, den „digital Natives“, Versicherungskonditionen nur schwer in Form von kleingedruckten Vertragsdokumenten zu vermitteln sind.

„Wenn wir die mengenmäßig große Flächendeckung erreichen wollen, muss zum Beispiel die digitale Unterschrift bei Einrichtung von Verträgen bzw. der Änderung von Verträgen rechtlich wirksam möglich werden“, meint Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH. Doch davon scheint die aktuelle Wirklichkeit der bAV-Abläufe noch weit entfernt zu sein.

Dies sieht Martin Bockelmann, Vorstand der xbAV AG als Grund, die Digitalisierung in der bAV weiter voranzutreiben. Mit seinem Unternehmen versucht Bockelmann, „alle bAV-Beteiligten – Arbeitgeber, Versicherer, Vermittler und Arbeitnehmer – mit digitalen Lösungen zu unterstützen“. Zu diesem Zweck bietet xbAV unter anderem ein Verwaltungsportal für bAV-Verträge an.

Mit Sicherheit lässt sich die Attraktivität der bAV durch digitale Lösungen insofern erhöhen, als eine stärkere Transparenz in die vielen Bedingungen und Regularien der bAV gebracht werden kann. In diesem Sinne ist durchaus vorstellbar, dass digitale Tools auf eine höhere Akzeptanz – insbesondere auf Arbeitnehmerseite – stoßen.

Auf Seiten des Arbeitgebers stellt sich jedoch nach wie vor die Frage nach dem tagtäglichen Handling der sich verkomplizierenden bAV-Vorschriften. Für Personalabteilungen bedeutet Digitalisierung, den administrativen Aufwand der bAV-Berechnung softwaregestützt zu reduzieren. Dafür schätzen Personaler den Komfort einer Whole-in-one-Solution, also einer Entgeltabrechnungs-Software, die die bAV-Abgaben direkt gesetzeskonform kalkuliert.

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