20.04.2017

Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Welche Pflicht hat der Arbeitgeber? Wo sind die Grenzen?

Welches Unternehmen kennt es nicht: In der Grippesaison kann man froh sein, wenn überhaupt die halbe Mannschaft an Bord ist. Und sobald man dann im Frühjahr wieder durchstarten will, haut der Heuschnupfen die Mitarbeiter um. Für den Arbeitgeber sind krankheitsbedingte Ausfälle ärgerlich, weil sie die Produktivität senken, wenn Arbeiten liegen bleiben und viel Zeit bei der Suche nach Vertretungen verstreicht. Zusätzlich zu den administrativen Aufwänden kommen auch noch reelle Kosten auf das Unternehmen zu. Denn im Fall der Arbeitsunfähigkeit eines Mitarbeiters ist der Betrieb zur Entgeltfortzahlung verpflichtet – muss also den Lohn trotz Ausfall zahlen. Doch wie weit reicht diese Verpflichtung? Ab wann zahlt die Krankenkasse Krankengeld? Und in welchem Fall steht dem Arbeitgeber Schadenersatz zu?

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Krank oder arbeitsunfähig? Wo liegt der Unterschied?

Wenn ein Arbeitnehmer krank wird, kann es sein, dass er gleichzeitig auch arbeitsunfähig wird. Die Arbeitsunfähigkeit ist nicht bei jeder Krankheit automatisch gegeben, sondern hängt auch von der Art der Tätigkeit ab. Mit einem Gips-Bein aufgrund eines Bänderrisses kann man wohl kaum noch kellnern gehen. Eine Bürokraft hingegen kann ihre Arbeit wahrscheinlich weiterhin ausführen. Somit ist nicht die Krankheit selbst, sondern eine mit ihr verbundene Arbeitsunfähigkeit der Grund, warum ein Mitarbeiter ausfällt.

Pflichten des Arbeitnehmers und Pflichten des Arbeitgebers

Im Falle einer Arbeitsunfähigkeit hat der Arbeitnehmer eine Informationspflicht gegenüber seinem Arbeitgeber. Der Mitarbeiter muss den Betrieb umgehend über seine Arbeitsunfähigkeit informieren, beispielsweise indem er bei der Personalabteilung anruft. Ist ein Arbeitnehmer länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig, ist er verpflichtet, spätestens am vierten Kalendertag die vom Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bei seinem Arbeitgeber abzugeben. Der Arbeitgeber kann auch eine frühere Aushändigung einfordern. Der Arbeitnehmer muss jedoch keine Auskünfte zur Art der Erkrankung machen – außer in bestimmten Ausnahmefällen, z. B. bei einer ansteckenden Krankheit, die Maßnahmen zum Schutz anderer Mitarbeiter erfordert.

Sobald ein Arbeitnehmer länger als vier Wochen in einem Unternehmen angestellt ist, beginnt beim Arbeitgeber die Pflicht zur Entgeltfortzahlung. Die maximale Dauer der Entgeltfortzahlung beträgt sechs Wochen. Das bedeutet, dass der Arbeitgeber den Lohn so lange weiterzahlt, bis sein Mitarbeiter in Summe sechs Wochen aufgrund derselben Krankheit arbeitsunfähig geworden ist. Geht die Arbeitsunfähigkeit insgesamt über die sechs Wochen hinaus, erhält der Mitarbeiter anstelle des Arbeitslohns von nun an Krankengeld von der Krankenkasse.

Wichtig ist zu beachten, dass die 6-Wochen-Grenze nur dann überschritten ist, wenn der Arbeitnehmer aufgrund derselben Krankheit arbeitsunfähig geworden ist. Löst eine andere Erkrankung eine erneute Arbeitsunfähigkeit aus, ist der Arbeitgeber wiederum zur Entgeltfortzahlung von bis zu sechs Wochen verpflichtet. Außerdem gibt es noch zwei Ausnahmen, die die 6-Wochen-Grenze außer Kraft setzen: Ist ein Arbeitnehmer sechs Monate am Stück nicht aufgrund der betreffenden Krankheit arbeitsunfähig gewesen, muss die Entgeltfortzahlung wiederaufgenommen werden. Oder liegt ein ganzes Jahr zwischen dem Beginn der erstmaligen Arbeitsunfähigkeit und der erneuten Arbeitsunfähigkeit (aufgrund derselben Erkrankung), ist die Entgeltfortzahlung ebenfalls wieder zu leisten.

Rechte des Arbeitgebers bei Selbstverschulden und Fremdverschulden

Der Arbeitgeber hat das Recht die Entgeltfortzahlung zu verweigern, wenn sein Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschuldet hat. Zugegebenermaßen braucht jeder im ersten Moment sicherlich sehr viel Phantasie, um sich vorzustellen, warum ein Mitarbeiter seine Arbeitsunfähigkeit selbst verschulden sollte. Dies kann allerdings bei eskalierter Gewaltausübung (Schlägereien) oder bei riskanten Sportarten (Kickboxen, Bungee-Jumping) der Fall sein. Wenn hingegen eine dritte Partei die Arbeitsunfähigkeit des Mitarbeiters verschuldet hat (z. B. bei einem Verkehrsunfall), kann dem Arbeitgeber Schadenersatz zugesprochen werden. Bei einer solchen Sachlage muss der Mitarbeiter seiner Informations- und Mitwirkungspflicht nachkommen.

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